1980 - 2005
An der Schwelle zur nächsten Dekade feierte unsere Verbindung von 29.5. bis 1.6. 1980 das 50. Stiftungsfest, das seinen eigentlichen Auftakt schon einige Tage davor, beim Fronleichnamsumgang von St. Stephan hatte. Durch gute Kontakte zum Archiv der Universität Wien war in einer Diskussion aufgeworfen worden, dass die für die 600-Jahr-Feier gestiftete Fahne seit 1965 nicht mehr „ausgeführt“ worden war. Als Folge dieser Bemerkungen bot der damalige Universitätsarchivar, Univ. Prof. Dr. F. Gall, dem Verfasser dieser Zeilen an, die Fahne zum kommenden Fronleichnam des Jahres 1980 zu tragen, zumal doch der glückliche Zufall eines 50. Stiftungsfestes dazu einen wunderschönen Hintergrund bildete. Natürlich nahm unsere Korporation das Angebot dankend an und bildete gleich mit sieben Chargierten, der Universitätsfahne und der Prunkfahne die Spitze des Chargiertenkorps beim Stadtumgang. Das wenige Tage darauf folgende Stiftungsfest hatten der Senior des Wintersemesters, Ernst Andorfer v. Idefix, der Jubelsenior Manfred Winkelbauer v. Hannibal und seitens der Altherrenschaft Mag. Walter Prevrhal v. Kunibert ausgezeichnet vorbereitet. Der feierliche Kommers fand in den Räumlichkeiten der Burg von Perchtoldsdorf statt. Im Rahmen des Kommerses konnte der Senior die ersten 100-Semester-Jubelbänder verleihen. Am nächsten Tag folgte ein Ausflug nach Krems mit Sonderwaggon auf der Franz-Josefs-Bahn und anschließendem Fußmarsch nach Senftenberg, wo uns der dortige Bürgermeister, Bundesbruder Hofrat Dr. Manfred Holzinger v. Tintoretto, im Rathaus empfing. Nach gelungenem abendlichem Beisammensein verbrachte ein Teil der Bundesbrüder die Nacht in Zelten. Am nächsten Morgen stiftete die im Rahmen des Stiftungsfestes geburschte Fuchsia quasi als Abschied aus dem Fuchsenstall der Verbindungsfahne ein Band in den Farben des Fuchsenbandes, welches im Rahmen der Festmesse von Pater Eberhard Kusin v. Kleiner Brauner geweiht und der Fahne übergeben wurde.
Ein Jahr später, im Rahmen des 51. Stiftungsfestes, bedankte sich Rhaeto-Danubia für die Möglichkeit der „Ausführung“ der Fahne der Universität Wien während des 50. Stiftungs- festes mit der feierlichen Übergabe eines Fahnenbandes in den Räumen des Archivs der Universität Wien. Mit Rhaeto-Danubia chargierten e.v. Rugia (damals WCV-Vorsitz), e.v. Rudolfina und e.v. Pannonia, und die Festansprache hielt der Rektor der Universität Wien, Cbr. Univ.Prof. Dr. Winfried Platzgummer. Auch die darauf folgenden Jahre waren von großen Aktivitäten im Verbindungsbetrieb geprägt. Einen Höhepunkt bildete die feierliche Bandverleihung an den damaligen Landeshauptmannstellvertreter und nunmehrigen Landeshauptmann von Niederösterreich, Dipl. Ing. Erwin Pröll v. Cicero III, am 25. April 1985 im Rittersaal des Martinschlössls. Von 2. bis 5. Mai des gleichen Jahres feierte Rhaeto- Danubia das 55. Stiftungsfest unter dem Senior Alfons Neumayer v. Pagat gemeinsam mit e.v. K.Ö.St.V. Nibelungia Melk im MKV. Daneben zeichnete sich in dieser Zeit auch ein stärker werdendes Naheverhältnis zu e.v. K.a.V. Austro-Peisonia ab, welches sicherlich auch durch aktiv hervortretende „Burgenländer“ in dieser Zeit untermauert wurde. Ab dem Sommersemester 1985 begann deswegen auch die Vorbereitung eines Bändertausches, die allerdings durch Schwierigkeiten verschiedenster administrativer Art erst im Jahre 1991 ihren Abschluss finden sollte. Auf der Antrittskneipe des Wintersemesters 1991/92 wurde er nicht nur vollzogen, sondern auch mit den Personen weitere Programmpunkt für die nähere Zukunft besprochen. Kernpunkt sollte bereits damals das jährliche Martiniganslessen bilden, eine Tradition die sich bis heute erhalten hat. Am Nationalfeiertag des Jahres 1985 erhielt unser Bundesbruder Pater Eberhard Kusin v. Kleiner Brauner mit großer Ehre am ÖCV-Übergabekommers in Tulln das „Wollek-Band“, die höchste Auszeichnung des ÖCV.
Diskussionen über Bandbestickungen, Kopfbedeckungen oder die unterschiedlichen Auffassungen von commentmässigem Auftreten sind in unserer Verbindung so alt wie die Verbindung selbst. Ein Teil der achtziger Jahre war der großräumigen Renovierung und dem Umbau des Martinschlössls gewidmet. Insgesamt 2,6 Millionen Schilling hatten der Umbau und die Renovierungsarbeiten verschlungen, von denen aber lediglich 450.000 Schilling durch einen Kredit hereingebracht werden mussten. Die übrige Summe konnte durch Spenden jedweder Art sowie durch Rücklagen, die eigens für diesen Zweck angelegt worden waren, aufgebracht werden. Am 29. April 1988 erfolgte im Zuge des Festkommerses die feierliche Einweihung der neuen Bude durch Monsignore Univ.Prof. Dr. Rudolf Weiler v. Arno. Der Dank der Verbindung äußerte sich in Ehrenbändern an Vorst.-Dir. Dkfm. Dr. Herbert Stepic v. Rasputin II (Am), Gen.-Dir.-Stv. Dkfm. Herbert Gschwandtner (Waldmark Horn), Gen.-Dir. Mag. Dr. Christian Konrad v. Conny und Univ.Prof. Präs. Mag. Dr. Karl Korinek v. Solon. An die um die Renovierung und den Umbau besonders bemühten Bundesbrüder erfolgte der Dank durch die Verleihung von „pro meritis“-Bändern an: Dipl. Ing. Gerhard Franz Leimer v. Julius, Mag. Thaddäus Kubec v. Amadeus, Christian Ratz v. Katla und Johannes Hubmaier v. Happy. Die Bundesbrüder Dir. Johann Pinter v. Pylades und Dr. Sepp-Gottfried Bieler v. Hieronymus erhielten als Dank für ihren Anteil an den Umbauarbeiten kostbare Verbindungsteller.
Der damalige Verbindungsbetrieb verlief in überschaubaren Bahnen, doch waren es gerade die jungen Aktiven, die der Meinung waren, dass mit der neuen Bude auch wieder ein größerer Zustrom zur Verbindung einhergehen müsste. Wie schon in einer anderen Darstellung festgehalten, sollte es aber noch einige Semester dauern, bis im Bezug auf die Stärke der Fuchsia ein wahrer „Boom“ einsetzen sollte. Zu Anfang und zu Ende der achtziger Jahre war es unseren Bundesbrüdern nochmals vergönnt, mit der Frühzeit unserer Verbindung in Kontakt zu kommen. Anfangs dieses Jahrzehntes hielt der seinerzeitige Gründungsconsenior Scherak v. Roland einen sehr intimen AC, der den alten Conventsraum von damals aktiven Bundesbrüdern förmlich übergehen ließ. Leider sollte dies der letzte „aktive“ Auftritt Rolands im Martinschlössl sein. 1988 erhielt unser Bbr. Sektionschef i.R. Dr. Otto Timp v. Dr.cer. Udo, der als Rudolfine praktisch von Beginn an, an unserer Seite stand, das 100. Semesterband feierlich überreicht. Udo, von e.v. Rudolfina zum Dr. cer. erhoben, hatte es verstanden, dass die diesbezüglichen Festlichkeiten am Beginn der achtziger Jahre im Martinschlössl abgehalten wurden. Bundesbruder Bsuff hatte damals die Ehre, bei der Dr.cer.-Promotion als Chargierter Rhaeto-Danubias dabei zu sein und die herzliche, in manchen Punkten gar rührende Festansprache Dr. Udos, bezogen auf beide Korporationen, mitanzuhören.
Noch vor dem Eintritt in das neue Jahrzehnt, konnte nach semesterlangen Vorbereitungen durch eine Kommission mit 1.3.1989 die neue GO in Kraft treten. Ende 1989 kam es in der „Blau-Rot-Silber“-Redaktion zu einer friedlichen Übernahme. Die Bundesbrüder Happy und Katla, welche die Verbindungszeitung 1985 reaktiviert hatten, übergaben ihre Geschäfte nun an Bundesbruder Goffy und Monteverdi. Der Beginn der neunziger Jahre stand ganz im Zeichen des 60. Stiftungsfestes, welches durch den Senior Hauptmann Dr. Fritz Janda v. Gefreiter in ansprechender Form geleitet wurde. Um ihn herum hatte eine eigene Kommission das Stiftungsfest, welches von 29. Mai bis 14. Juni 1990 dauern sollte, vorbereitet. In derselben Zeit begann sich das wiederum verstärkte Auftreten unserer Bundesbrüder im Verband auch bemerkbar zu machen. Das Stiftungsfest wurde durch nicht weniger als 30 Gastchargierte geehrt, wobei es dem Gefreiten gelang, in direktem Kontakt auch den bisher exotischsten Chargierten einer Cartellverbindung, nämlich Cartellbruder Toshi e.v. Edo-Rhenania Tokyo, an die Tafel der Gastchargierten zu bringen. 120 Rhaeto-Danuben feierten diesen Kommers in den Räumlichkeiten des Wiener Rathauskellers, wo gleich nebenan auch e.v. Rudolfina ihren Stiftungsfestkommers feierte. Noch am gleichen Abend erreichte Rhaeto-Danubia von einem Saal in den anderen eine plakatgroße Gruß- und Glückwunschadresse, von den Feiernden des „Nachbarsaals“ herzlichst überreicht. Die gerahmte Adresse zierte lange den Barraum unserer Bude. Am 18. Dezember 1990 folgte als neuer Philistersenior Min.Rat. MMag. DDr. Gottfried Zwerenz v. Probus auf Bundesbruder Min. Rat Dipl. Ing. Friedrich Faukal v. Barbarossa, der diese Funktion fast 19 Jahre lang innegehabt hatte. Knapp ein Jahr später, am 22. November 1991, promovierte die Verbindung den allseits verdienstvollen Alt-Philistersenior zum „Doctor cerevisiae“.
Anlässlich der Antrittskneipe am 3. Oktober 1991 kam es schlussendlich zum oftmals verschobenen Bändertausch mit einer K.a.V. Austro-Peisonia. Um diesen Bändertausch auch inhaltlich zu untermauern, wurde gemeinsam mit Vertretern der Austro-Peisonia ein eigenes Programm aufgestellt, in welchen Bereichen man künftig enger zusammenarbeiten wolle. Durch Glücksgriffe bei den aktiven Chargen steigerte sich die Qualität der einzelnen Veranstaltungen, was wiederum dazu führte, dass vermehrt Gäste und damit auch potentielle „Spähfüchse“ sich immer öfters für das Verbindungsleben interessierten. Ab dieser Zeit kamen auch immer öfters Theologiestudenten zur Verbindung. Für einige Semester „sprühte“ die Aktivitas förmlich im positiven Tatendrang. Zeitzeugen berichten noch heute von einer mitreißenden Aufbruchsstimmung, welche die Verbindung befiel. Dies führte schließlich dazu, dass die Verbindung 1993 das Wagnis einging, erstmalig den Vorort des ÖCV zu übernehmen. Das Vorortsteam, welches sich dafür zusammenfand, konnte sich sowohl hinsichtlich der Qualität als auch der Quantität sehen lassen, galt es doch schließlich in dieser Periode einiges umzusetzen und nicht, wie es früher bisweilen passiert war, lediglich zu repräsentieren. Der Übergabekommers fand im Europasaal der steirischen Handelskammer in Graz statt und war mit Sicherheit einer der Höhepunkte 1994. Der Vorort setzte sich wie folgt zusammen:
Vorortspräsident Gottfried Bischof v. Cicero 1.
Vize-Vorortspräsident Gerald Grünberger v. Monteverdi
2. Vize-Vorortspräsident Christoph Plott v. Rufus
Bildung und Kultur Arno Weigand v. Ovidius
Organisation und intern. Angelegenheiten Alexander Furrer v. Murks
Theologische Fragen Peter Fiala v. Nepomuk
CV und Schw.St.V. Gregor Jansen v. Phoebus
Öffentlichkeitsarbeit Rudolf Bräuer v. Theoderich
Finanzen Mag. Rudolf Kirchmayr v. Poseidon
Geschäftsführung Mag. Roland Schachl v. Aeakus
Zusammen bewirkten sie ein fulminantes Jahr, welches unter dem Schlagwort „Werte erhalten – Zukunft gestalten“ auf vielen Gebieten die Position des ÖCV auf dem Weg ins nächste Jahrtausend beinhaltet. Zu drei Themenkreisen „Ökologie – Wirtschaft – Europa“, „Demokratiereform“ und „Kirche auf dem Weg ins 3. Jahrtausend“ sollten im Rahmen von Arbeitsgruppen und Veranstaltungen neue Lösungsansätze ausgearbeitet werden, nach denen eine klare Positionierung des ÖCV erfolgen konnte. Ein weiterer wichtiger Punkt war es, den ÖCV mittels gezielter Öffentlichkeitsarbeit wieder aus dem selbst auferlegten Dornröschenschlaf zu holen. Organisatorisch „bombardierten“ sie förmlich die couleurstudentische Außenwelt mit Publikationen und einer Vorortszeitung, die den Vorteil hatte, nicht nur am Beginn und am Ende des Vorortsjahres zu erscheinen, sondern regelmäßig, über das ganz Jahr verteilt auf dem Tisch zu landen. Wie lange noch die positive Arbeit des Vorortteams nachwirkte, zeigte sich spätestens im Wintersemester 2003/04 auf dem Studententag in Linz, als Rhaeto-Danubia erneut aufgefordert wurde, den Vorort zu übernehmen, was aber abgelehnt wurde. Die positive Arbeit bewirkte ab dieser Zeit auch einen verstärkten Zustrom und Zuspruch zur Verbindung, der bis in die Gegenwart nur gering nachließ.
Besonders hervorgehoben muss aber in dieser Zeit die „Geburtshilfe“ für eine neue Verbindung in neuem Umfeld werden. Am 24.4.1994 stieg in Budapest das Publikationsfest e.v. Pannonia Budapest, welches auch zum Anlass für einen Bändertausch genommen wurde Unter dem Seniorat von Erwin Hof v. Bismarck im Wintersemester 1994/95 konnte der hohe Mannschaftsstand der Fuchsia konserviert werden, sicherlich auch ein Verdienst des Fuchsmajors Rudolf Bräuer v. Theoderich. Obwohl zehn Burschungen stattfanden, belief sich die Zahl der Fuchsen zu Semesterende immer noch auf 13 Füchse. Trotz intensiven Kontaktes und guter Zusammenarbeit mit dem Altherrenvorstand muss angemerkt werden, dass der geringe Besuch der Veranstaltungen von AHAH (mit Ausnahme der Amtsträger) zu einiger Kritik seitens der Aktiven führte.
Ein Jahr nach dem Vorortspräsidium schloss am 11.2.1995 der damals noch letzte lebende Gründer, der damalige Gründungsconsenior Bundesbruder HR Dr. Johann Scherak v. Roland, für immer die Augen. Die seit der Wende der achtziger Jahre zu den neunziger Jahren wieder sehr regelmäßig erscheinende Verbindungszeitschrift „Blau-Rot-Silber“ widmete ihm einen großen Nachruf. Roland, der 92-jährig verstarb, hatte die letzten Lebensjahre ein Schicksal ereilt, das uns allen zur Mahnung gereichen sollte. Außerhalb Wiens wohnend, hatte seine kleine Umwelt kaum mehr direkten Kontakt zum Verbindungsleben, wenn man davon absieht, dass er etwa alle an ihn gerichteten Weihnachts- und sonstigen Glückwünsche immer umgehend und persönlich beantwortete. Dennoch war er „alleine“, und es ist nicht verwunderlich, dass die Verbindung erst nach dem Begräbnis von seinem Tod erfuhr. Gemeinsam mit seiner MKV-Verbindung Tuistonia wurde seiner daraufhin in einer am 23. März 1995 im Martinschlößl geschlagenen Trauerkneipe gedacht. Das 65. Stiftungsfest im Sommersemester 1995 fand wieder einmal gemeinsam mit e.v. Nibelungia in Melk statt. Zunächst begannen die Feierlichkeiten mit einer Führung durch die Stiftskirche, ehe sich der Festzug unter Verstärkung einer Musikkapelle durch die Melker Altstadt zum Stadtsaal begab, wo der Stiftungsfestkommers stattfand. Die Festrede von Bundesbruder Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll v. Cicero war sicherlich einer der Höhepunkte des Tages. Im Nibelungenturm, der Bude e.v. Nibelungia, fand der Abend nach dem Kommers noch einen gemütlichen Ausklang. Während der Rhaeto-Danuben-Tage im Wintersemester 1995/96 unter dem Seniorat von Eberhard Blumenthal v. Ekkewart fand ein interessantes Symposium zum Thema „65 Jahre Ö.k.a.V. Rhaeto-Danubia – eine Verbindung im Rahmen der Zeit“ statt. Neben zahlreichen Augenzeugen, die gleichsam als lebende Geschichte in Vorträgen oder Wortmeldungen ihre eigene erlebte Verbindungsgeschichte mit einbrachten, waren es vor allem viele junge Bundesbrüder, die diese Chance nutzten, um etwas über die Geschichte der Verbindung zu erfahren. Während Bundesbruder Bsuff über die frühen Jahre der Verbindung von der Gründung als Danubo-Rhenania bis zum Anschluss berichtete, erzählten Bundesbruder Ernst Karner v. Orest über den Wiederaufbau nach dem Krieg und den Erwerb des Martinschlößls und Bundesbruder Sepp-Gottfried Bieler v. Hieronymus über die „Goldenen sechziger Jahre“. Die am besten besuchten Veranstaltungen des Wintersemesters waren sicherlich der AC’s „Die ÖVP – Auf dem Weg zur Nummer 1“ mit Cartellbruder Generalsekretär Othmar Karas am 30. November sowie „Das erste Jahr in der Europäischen Union“ mit Cartellbruder Nationalratspräsident Dr. Heinrich Neisser am 18. Jänner 1996. Das Thema EU sollte von nun an auch in den kommenden Semestern immer wieder auf AC’s aus allen möglichen Blickwinkeln durchleuchtet werden. Das Sommersemester 1996 unter dem Senior Mag. Thomas Reichl v. Figl stand ganz unter dem Motto „1000 Jahre Österreich“. Bei einem AC mit dem Titel „1000 Jahre Österreich – 51 Jahre 2. Republik“ gelang es dem Vortragenden, Bundesbruder Gaius, der für seine launigen, aber sehr inhaltsreichen Schilderungen im ganzen CV bekannt ist, wieder einmal unsere Bude bis zum letzten Platz zu füllen. Trotz einiger organisatorischer Probleme konnte in diesem Semester auch ein Couleurausflug zum 2. Stiftungsfest unserer Freundschaftsverbindung Pannonia Budapest durchgeführt werden. Zehn Bundesbrüder in Begleitung von sieben weiteren Gästen nahmen an diesem launigen Ausflug teil. Bei dem eher an ein Gartenfest erinnernden Stiftungsfest am 27. April 1996 in Szentendre, einem kleinen schmucken Vorort von Budapest, war Rhaeto-Danubia unter den Anwesenden (inkl. Gastgeber) die zahlenmäßig stärkste Verbindung. Der am 30. Mai stattfindende AC zum Thema „Auswirkungen des EU-Beitritts Österreichs auf das österreichische Rechtssystem“ mit Kartellbruder Univ.Prof. DDr. Walter Barfuss und Bundesbruder Univ.-Lektor MMag. Dr. Rudolf Jirovec war nicht nur sehr gut besucht, sondern führte auch dem juristischen Laien die Komplexität des europäischen Rechtssystems und dessen Auswirkungen vor Augen. Dem langjährigen Wunsch vieler Alter Herren entsprechend wurde das 66. Stiftungsfest wieder einmal in Wien abgehalten. Nach der Stiftungsfestmesse in der Kirche am Spittelberg wurde der Festkommers im Rathauskeller geschlagen. DDr. Walter Barfuß und Friedrich Hohenauer wurde dabei das Band Rhaeto-Danubias verliehen.
Wie bereits zuvor erwähnt, florierte die Verbindung in den neunziger Jahren so richtig, was unsere Verbindung im Jahre 1996 nochmals bewog, nach einem höheren Amt zu streben. Mit 1. Juli übernahm Rhaeto-Danubia wiederum den WCV-Vorsitz, wobei sich dafür folgende Chargen fanden:
WCV-x Eberhard Blumenthal v. Eckewart
WCV-xx Friedrich Gottfried Hohenauer v. Friedrich
WCV-xxx Markus Kern v. Track
WCV-xxxx Erwin Hof v. Bismarck
Redaktion 105-er Mag. Gregor Malischnig v. Charon Thomas Bauer v. Abakus
Zur gleichen Zeit übernahm Bundesbruder Gerhard Loub v. Svejk das Seniorat im Wintersemester 1996/97 und kurz darauf auch noch die Agenden des Chefredakteurs des „Blau- Rot-Silber“ von Bundesbruder Charon und übte diese Funktion mehrere Semester mit besonderem Einsatz aus. Am 9. Jänner 1997 sprach Cbr. Bundesminister Dr. Werner Fasslabend vor vollem Haus zum Thema „Sicherheit in Europa – aus österreichischer Sicht“.
Mit Riesenschritten gelangt man fast schon in die Gegenwart der Verbindung, wobei für die letzten Jahre ein Ereignis besonders hervorgehoben werden muss! Im Oktober 1997 konnte am WCV-Übergabekommers Rhaeto-Danubia Kardinal Dr. Christoph Schönborn, durch die Verleihung des Burschenbandes ehren, bei welcher Gelegenheit der glückliche Zufall mitspielte, dass gerade einer unserer Theologen, Bundesbruder Phoebus, Senior der Verbindung war. Die Verleihung ging weit über den Rahmen der Couleuröffentlichkeit hinaus und fand auch in der Presse ihren Niederschlag. Bundesbruder Phoebus war es auch, der von 28. bis 30. November die Rhaeto-Danuben-Tage 1997 unter das Thema „Wenn aber das Salz schal wird ... Kirche in der Gesellschaft: Positionen für das 21. Jahrhundert“ stellte und diese gleich als BA-Seminar organisierte. Ein Vortrag von Msgr. Dr. Michael Willhelm, dem Sekretär der Österreichischen Bischofskonferenz am 15. Jänner 1998 mit dem Titel „Beziehungen Kirche – Gesellschaft: Ein Spannungsfeld?“ rundete das Programm dieses Semesters ab. Im folgenden Semester übernahm Bundesbruder Phoebus das Amt des Verbindungsseelsorgers, das er bis heute mit vollem Einsatz wahrnimmt. Im April 1998 konnte, nach langer Vorbereitung, die „Orange Burse“ als Verein der Freunde und Studenten der Ö.k.a.V. Rhaeto-Danubia, mit dem damaligen Kartellbruder und mittlerweile Bundesbruder Dir. Karl Grünberger als Obmann gegründet werden, die seither durch Teilnahme an Veranstaltungen und auch eigene Initiativen hervorgetreten ist. Sie erweitert den Kreis um unsere Verbindung nachhaltig. Am 15. April 1999 beehrte S. Eminenz Bundesbruder Kardinal Schönborn v. Aquinas unsere Bude anlässlich des AC’s „Was heißt religio heute?“, nachdem diese Veranstaltung im Wintersemester 1998/99 aus terminlichen Gründen abgesagt werden musste. Obwohl die Veranstaltungen des WS 1999/2000 generell gut besucht waren, musste der Senior Franz Augustin v. Ruggiero mit dem gleichen Problem kämpfen wie seine Vorgänger, dem Fernbleiben der Altherrenschaft von den Veranstaltungen. Ganz im Gegensatz zu den Gästen, welche die Veranstaltungen zahlreich besuchten, so unter anderem eine Diskussion am 17. November zum Thema „Analyse des Nationalratswahlergebnisses und die politische Zukunft Österreichs“ zu der aber leider nur der Vertreter der FPÖ und Ing. Richard Lugner erschienen ist, da der Rest der Geladenen kurzfristig abgesagt hatte.
Schon im Vorfeld des lange vorbereiteten 70. Stiftungsfestes richteten sich alle Aktivitäten der Verbindung auf dieses eine Ereignis hin aus. Mit Bundesbruder Mathias Sturm v. Laertes als neuem Chefredakteur des „Blau-Rot-Silber“ änderte sich nicht nur das Layout unserer Verbindungszeitschrift, sondern auch die inhaltliche Linie. War es in den letzten Jahren vor allem das Informationsmedium des CHC’s wurde es jetzt wiederum ein eigenes Medium mit inhaltlichen Schwerpunkten, die auch außerhalb des Verbindungslebens zu finden waren. Eine neue Rubrik unter dem Titel „Seidlblicke“ ermöglichte es auch den von den Veranstaltungen ferngebliebenen Bundesbrüdern diese anhand von Fotodokumentationen nachzuvollziehen. Unser 70 Jahre-Jubel-Stiftungsfest von 21. bis 24. Juni 2000 konnten wir an der Schwelle zum neuen Jahrtausend in würdiger Form begehen. Eingeleitet wurde das Stiftungsfest mit einem Cumulativconvent am 21. Juni; tags darauf folgten ein Pontifikalamt mit Bbr. Kardinal Schönborn, und anschließend die Fronleichnamsprozession. Das traditionelle Grillfest am Nachmittag rundete diesen Tag ab. Nach einem gemeinsamen Mittagessen im Martinschlössl am 23. Juni folgte am Abend der überaus gelungene Festkommers im Palais Ferstel, bei welcher Gelegenheit der Staatssekretär für Kunst- u. Kultur, Franz Morak, die viel beachtete Festrede hielt. Tags darauf fand das Fest seinen Ausklang auf kulturell-gemütliche Art. Nach einer eingehenden Besichtigung der Burg Liechtenstein ließ man beim Mittagessen das Stiftungsfest noch einmal Revue passieren, bevor ein gemütlicher Heurigennachmittag, ganz nach couleurstudentischer Ausflugstradition, in Perchtoldsdorf den Schlusspunkt setzte.
Mit Bundesbruder Eberhart Blumenthal v. Eckewart übernahm ein Rhaeto-Danube die Funktion des ÖCV-Generalsekretärs. Der 2001 begonnene und 2005 beinahe abgeschlossene Budenumbau ist sicherlich der nachhaltigste Eingriff ins Martinschlößl seit der Behebung der Kriegsschäden im Jahre 1948. Hauptaugenmerk wurde dem Ausbau des Dachbodens gewidmet. Seit 1948 lediglich als Rumpelkammer genutzt, bietet er jetzt einen großen Conventraum, der sich über die gesamte Hausbreite erstreckt. Vor allem in der Breite übertrifft er den alten Barraum um ein Vielfaches, da er sich unter dem ganzen Dachstuhl befindet. Gleichzeitig wurde für den CHC ein eigener Chargenraum, und zwar über dem Sanitär- und Wohnbereich im Untergeschoß, geschaffen. Der alte Chargenraum am Ende des alten Conventraums wurde in ein Verbindungsarchiv umgewidmet. Der Wahl-AHC am 18. Oktober 2001 brachte eine Änderung im Altherrenvorstand mit sich, Bundesbruder Dr. Winfried Appelt v. Rüdiger II wurde zum neuen Philistersenior gewählt. Der vom neuen Vorstand regelmäßig versendete Altherrenbrief gibt auch den AHAH, denen es zeitlich nicht leicht möglich ist, zu den Verbindungsveranstaltungen zu kommen, die Möglichkeit, nicht ganz den Anschluss zu verlieren und sich über aktuelle Begebenheiten zu informieren. Während das Blau-Rot-Silber immer unter ein bestimmtes Thema gestellt wird und dazu fachlich gute Artikel liefert, dient der Altherrenbrief immer mehr zur verbindungsinternen Information. Im Sommersemester 2002 wurde vor allem von Seiten der Aktivitas das Thema „Europa – Österreich in Europa“ zu einem der Schwerpunktthemen erkoren. Ein von der Verbindung eingebrachter Antrag auf der CVV in Kufstein im Mai 2002 führte schließlich zur Entwicklung der „Gesellschaftlichen Leitlinien für den ÖCV“, die schlussendlich 2003 umgesetzt werden konnten.
Engagierten Chargen, allen voran dem Senior Lukas Mandl v. Lox, der die Verbindung drei Semester hindurch führte, und stets mit interessanten Veranstaltungen sowie interessanten Vortragenden aufwarten konnte, und dem Fuchsmajor Thomas Schüssler v. Macduff war es zu verdanken, dass die Verbindung auch personell, was die Fuchsia betraf, in den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts ein neuerliches Hoch verzeichnen durfte. Die Gründungsfestkneipe am 26. Jänner 2003 war erneut ein eindrucksvolles Geburtstagsfest unserer Verbindung, mit 140 Anwesenden war sie wieder einmal bis zum letzten Platz voll. Die Festrede hielt der Präsident der katholischen Aktion a.o. Univ.Prof. Dr. Christian Friesl über „Gottes Sinngesellschaft“. Im Sommersemester 2003 erfolgte neuerlich eine Reaktivierung des „Blau-Rot-Silber“ durch Bundesbruder Michael-Kurt Höfler v. Musicus, der unserer Verbindungszeitschrift nicht nur ein völlig neues, modernes Layout verpasste, sondern diese laufend mit interessantem Inhalt zu füllen wusste. Eine große Delegation von Bundesbrüdern besuchte im laufenden Semester das 140. Stiftungsfest der K.D.St.V Novesio in Bonn. Trotz verstärkter Umbauarbeiten im „Martinschlössl“ konnte dank des tüchtigen ChC’s dennoch ein geregeltes Verbindungsleben gewährleistet werden. Mit 17 Fuchsen erreichte der Fuchsenstall im WS 03/04 wieder einmal einen beachtlichen Stand, sicherlich ein Verdienst der Fuchsmajore Thomas Schüssler v. Macduff und Florian Lukesch v. Nostradamus. Mit Christian Hermelingmayer v. Hermi e.v. Sparrenberg zu Bielefeld konnte Rhaeto-Danubia wieder einen Verkehrsaktiven aus deutschen Landen gewinnen. Bei der 74. Gründungsfestkneipe am 26. Jänner 2004 wurde erstmals nach langer Zeit wieder ein lange vergessenes musikalisches Kleinod Rhaeto-Danubias von der gesamten Corona gesungen, der „Blau-Rot-Silber-Marsch“. Im Semester zuvor von Aktiven wiedergefunden, hat er schon bei so manchem fröhlichen Anlass gedient, seit der Gründungsfestkneipe ist er wieder fixer Bestandteil unseres Liedgutes.
Am 19. Oktober 2004 erhielt Bundesbruder Dr. Rober Lichal v. Gaius während des WCV-Übergabekommerses vom AHLB Wien das „pro meritis-Band, eine nicht allzu oft verliehene Auszeichnung. Ebenfalls wurden in diesem Jahr zwei Rhaeto-Danuben ins Vorortsteam gewählt: Bundesbruder Nostradamus als Organisationsreferent und Bundesbruder Musicus als Redakteur der Vorortszeitschrift. Unter dem Motto „Show und Skandale“ ging der Senior Marc Vecsey v. Corvinus im WS 2004/05 einen neuen Weg, der sich nicht nur im gestalterisch neuen Semesterprogramm widerspiegelte. Veranstaltungen wie „Big in Japan“, die Balaton-Antrittskneipe, aber auch Diskussionen rund um die Aktion „ProPatria“ fanden darin ebenso Platz wie traditionelle Veranstaltungen. Die von Bundesbruder Georg Leitner v. Golmo ebenfalls im WS 2004/05 erstellte neue Homepage bestätigt, dass wir nunmehr auch elektronisch und optisch im neuen Jahrtausend angekommen sind. Das Sommersemester 2005 war nicht nur durch das 75. Stiftungsfest geprägt, sondern brachte auch gut besuchte Veranstaltungen, die vor allem vorbereitend auf die 75-Jahr Feierlichkeiten einstimmten. Allen voran der AC „Highlights aus 75 Jahren Rhaeto-Danubia“ mit Bundesbrüdern, die Historisches und Legenden, Hoch und Tiefpunkte unserer Verbindung in bester Weise – unterstützt von einer Bildershow – vorgetragen haben. Des Weiteren wurden die kulturellen Sinne durch einen AC Musikverein geschärft und ein ausgezeichnetes Verhältnis zu unseren Freundschaftsverbindungen gepflegt.