25. Stiftungsfest
Besonders der Neubeginn nach dem Ende des 2. Weltkrieges hatte der Verbindung, statistisch gesehen, jenen Impuls gebracht, der das gesunde Überleben garantieren sollte. Seit der Gründung und dem bescheidenen Wiederbeginn nach Kriegsende hatte sich bis zum Jahre 1955 der Mitgliederstand mehr als verdoppelt, wobei auch ein stets zufrieden stellender und gut besetzter Fuchsenstall zu verzeichnen war. Im Sommersemester 1948, so vermerkte Dr. Ekkehard, war er mit 22 Füchsen derart stark, dass zu deren eingehender Betreuung ein zweiter Fuchsmajor bestellt werden musste. Ganz außerordentlich günstig stand die Verbindung zu Beginn des 25. Stiftungsfestes da, welches von einer Altherrentagung am 24.1.1955 eingeleitet wurde. Gleich zu Beginn, so vermerkte das Protokoll, wurde den 13 Bundesbrüdern gedacht, die seit der Gründung bereits verstorben waren. In statistischen Zahlen vermerkte damals das Protokoll, dass bis zum Jänner 1955 insgesamt 217 Bundesbrüder bei der Verbindung gewesen waren. 13 davon waren gestorben oder im Krieg gefallen, entlassen wurden im Laufe der Zeit 11 AHAH, 3 Bandinhaber, 32 Burschen und 65 Füchse. Demnach belief sich der tatsächliche Stand, inklusive der Ehrenmitglieder auf 93. Nach einer Trauerminute für die Verstorbenen gedachte man auch der engen seelischen „Verwandtschaft“ mit Rudolfina. Der Altherrentagung folgte am 26. Jänner ein Cumulativconvent und am 29. Jänner ein Stiftungsfest AC, bei welchem der damalige Unterrichtsminister Cbr. Dr. Heinrich Drimmel über „Die geistige Freiheit des Akademiker“ im dichtgefüllten Rittersaal referierte. Der Vortrag wurde von einem Quartett der Wiener Philharmoniker begleitet, die Variationen auf die alte Volkshymne von Joseph Haydn vortrugen. Zur gleichen Veranstaltungsfolge berichtete AH Tristan,
„...dass mit diesem Semester eine rasante Aufwärtsentwicklung eintrat und das 25. Jubelstiftungsfest Höhepunkte brachte, wie sie der gesamte Cartellverband bei einzelnen Verbindung kaum gekannt hatte. Besonders der Jubelsenior Duchek v. Phönix, der PhilX Dr. Ekkehard und AH Pointner v. Dr. Winfried waren die großen Stützen des prächtigen Festes ...“
Der 30. Jänner 1955 stellte sicherlich, neben dem Wiederaufbau des Martinschlößls, einen der markantesten historischen Tage im Bestehen unserer Korporation dar. Um 8 Uhr früh versammelten sich an diesem Tag die Bundesbrüder auf der Bude e.v. Rugia, um von dort aus mit Chargierten und großer Bedeckung zur Weihe der neuen Prunkfahne in die Ruprechtskirche zu ziehen. Die Weihe nahm Bbr. Mons. Johannes Klement vor. Der Abend des denkwürdigen Tages war dem Stiftungsfestkommers gewidmet, welcher im Kursalon im Wiener Stadtpark stattfand, 68 Bundesbrüder dort vereinte, die gesamte Korona aber in dem bis zu letzten Platz gefüllten Kommerssaal knapp 300 Personen betrug. Neben dem stolzen Einzug des Jubelseniors Phönix, der bei dieser Gelegenheit auch phonographisch festgehalten wurde, gereichte eine große Zahl von Glückwunschadressen, allen voran diejenige des damaligen Heiligen Vaters, Papst Pius XII., der Verbindung zur großen Ehre.
Das 25. Stiftungsfest hatte Rhaeto-Danubia nicht nur einer breiten Couleuröffentlichkeit, sondern auch weit darüber hinaus gehenden Kreisen präsentiert und war mit Achtung und Anerkennung gewürdigt worden. Für die Verbindung hatte das Jubelsemester nach innen aber auch weitere Wirkung. AH Pointner v. Dr. Winfried hatte auf der Altherrentagung berichten können, dass der Schuldenstand im Bezug auf das Martinschlössl zum Großteil abgestattet war. Durch einen zusätzlichen Geldaufwand von weiteren 40.000 Schilling (damals viel Geld) konnte das Martinschlössl durch Umbauten, Adaptierungen und Neueinrichtung von einem behelfsmäßigen Studentenquartier in ein richtiges Studentenheim umgewandelt werden.