Das Jahr 1930

Nach gründlichen Vorbesprechungen im Herbst 1929 fassten am 26. Jänner des Jahres 1930 in einem Gasthaus auf der Hernalser Hauptstraße 23 im 17. Wiener Gemeindebezirk 12 Akademiker, die meisten aus dem Kreis der Pennalverbindung „Thuiskonia“, den Beschluss, eine neue katholisch akademische farbentragende Studentenverbindung zu gründen, die den Namen „D.K.A.V. Danubo-Rhenania“ – erhalten sollte, nachdem ein dafür notwendiger Beschluss vorher einstimmig gefasst worden war. Dies alles ist umso bemerkenswerter, da man sich immer vor Augen halten musste, dass außer der Absicht, eine Verbindung zu gründen, keinerlei materielle Basis vorhanden war: kein Geld, keine Wertanlagen, keine Bude – ja nicht einmal eine Altherrenschaft, die der jungen Verbindung finanziell bzw. materiell unter die Arme hätte greifen können.

Was bei den Gründern der neuen Verbindung „anders“ war und warum man überhaupt daran gedacht hatte, im Westen Wiens eine neue katholische akademische farbentragende Verbindung zu gründen, wurde bald augenscheinlich. Sie waren alle Werkstudenten bzw. bereits berufstätig, weshalb die Teilnahme am Verbindungsbetrieb der alteingesessenen Verbindungen, deren Buden meist in der Innenstadt Wiens lagen, gar nicht so einfach war. Die Gründung im Hernalser Bereich sollte auch hier dem anzusprechenden Personenkreis die Aktivität einer Verbindung bieten. Dr. cer. Ekkehard notierte dazu:

„Die große Zahl von Werkstudenten war eine Folge der überaus tristen sozialen Verhältnisse der Zwischenkriegszeit. Das nach dem Ende des 1. Weltkrieges um seinen Bestand ringende Restösterreich wurde überdies durch die im Jahre 1929 ausgebrochene Weltwirtschaftskrise schwer getroffen. Fabriken mussten geschlossen werden, große Bankinstitute brachen zusammen, die Zahl der Arbeitslosen stieg hoffnungslos; bei Berücksichtigung der Ausgesteuerten (das waren etwa 100.000 Arbeitslose, die keine Arbeitslosenunterstützung mehr erhielten und daher statistisch nicht mehr als Arbeitslose erfasst wurden, stieg die Zahl der Arbeitslosen in Österreich zeitweise auf etwa ein Viertel aller im Lande lebenden Arbeitnehmer). Besonders die ins Berufsleben tretende Jugend stand fassungslos vor verschlossenen Toren. Es war auch die Zeit der arbeitslosen Hochschulabsolventen.“

Einen ganz anderen Problemkreis bildete das damals an der Schwelle der dreißiger Jahre problematisch werdende politische Umfeld, eine Entwicklung, die sich zumindest während eines Teils der dreißiger Jahre fortsetzen sollte. Dr. Ekkehard, der in dieser Zeit vorrangigste Vertreter Danubo-Rhenanias, drückte dies überaus drastisch aus:

„In dieser Zeit eine Hochschulverbindung ins Leben zu rufen und allen Widerwärtigkeiten zum Trotz zusammenzuhalten, war begreiflicherweise eine sehr schwierige Sache. Tatsächlich begann mit Dr.cer. Ekkehard ein Motor zu laufen, der jahrzehntelang das Verbindungsleben richtig in Schwung halten und auf den verschiedensten Gebieten wahre Hochleistungen erbringen sollte. Dr.cer. Ekkehard wurde niemals müde, seine Fähigkeiten und Begabungen stets voll in den Dienst der Verbindung zu stellen, und so ist es nicht verwunderlich, dass er es war, der neben der Durchführung der behördlichen Rahmenmaßnahmen zur vereinsrechtlichen Genehmigung auch für weitere Verbindungsutensilien federführend zeichnete. Dr.cer. Ekkehard entwarf das Verbindungswappen, dichtete die Burschenstrophe und das Bundeslied.

Ihm zur Seite stand damals ein kongenialer Partner, der im ersten ChC den Consenior übernehmen sollte, med. et phil. Johann Josef Scherak v. Roland, der die Fuchsenstrophe dichtete und darüber hinaus den ersten Verbindungscomment verfasste. Bereits zu Beginn des WS 1930/31 lag der vollständige Text der Geschäftsordnung der Verbindung vor. Jahrzehnte später war es dem Autor, Bundesbruder Bsuff, vergönnt, Roland am Beginn der achtziger Jahre, damals schon sehr betagt, zu einer Art „AC“ der besonderen Art zu gewinnen, bei welchem die zahlreich anwesenden Bundesbrüder im wahrsten Sinne des Wortes in der damaligen Enge des Raumes „im Kreise lagerten“ und Roland, als wohl letzter Augenzeuge, über die Frühzeit unserer Verbindung und das Umfeld berichten konnte. Mehr als dreieinhalb Stunden wurde er damals nicht müde, aus der Zeit zu erzählen, wobei herauskam, dass er eigentlich zum Dr.med. promoviert worden war, dann aber wegen Aussichtslosigkeit einer Stellung einfach als Naturgeschichtslehrer in die Mittelschule ging. Mitte der dreißiger Jahre sollte dann ein steiler Karrieresprung für Roland erfolgen, als er der allererste Fliegerarzt Österreichs wurde und in das Österreichische Bundesheer eintrat. Sein eigener Fliegerausweis trägt die stolze No. 7.

Nachdem die vier Prinzipien „Vaterlandsliebe (patria), Katholizismus (religio), Lebensfreundschaft (amicitia) und Wissenschaft (scientia)“ einstimmig beschlossen waren, folgte die Festlegung der Verbindungsfarben mit „schwarzrot- silber“, wozu man Mützen aus orange-gelbem Tuch wählte. Auch der von Ekkehard entworfene Verbindungszirkel fand allgemeine Zustimmung. Letztlich wählte man als damaligen Namen „Deutsche katholische akademische Verbindung Danubo-Rhenania“. Über das erste Lebenszeichen der Verbindung in „vollen Farben“ berichtete Dr. cer. Ekkehard:

„Ein deutliches Lebenszeichen gab die junge Verbindung bereits am 26. April 1930, als sie – zum erstenmal in vollen Farben – die Gründungsfestkneipe mit feierlicher Ablegung des Burscheineides auf die gekreuzten Klingen feierte. Am folgenden Tag trat die Verbindung zum erstenmal öffentlich in Farben auf, und zwar anlässlich eines Couleurausfluges mit Damen, der zum Richardshof in Mödling führte.“

» Das erste CHC

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