Der lange Weg zum CV

Schon aufgrund der gewählten Prinzipien versuchte Danubo-Rhenania, schon von Beginn an engen Kontakt zu anderen CV-Verbindungen zu halten, um nach geziemender Zeit selbst das Ansuchen um Aufnahme zu stellen. Andererseits war der CV wiederum an der Gründung von Verbindungen in entlegenen Gebieten Wiens interessiert, um das Couleurstudententum nicht nur auf den I. Bezirk reduziert zu wissen. Innerhalb der Verbindung selbst wollte man auch die größtmögliche Bereitschaft für den Weg in den CV erreichen. So schied etwa, wie Dr.cer. Ekkehard festhielt, ein Bundesbruder und Gründungsbursch schon am 1. Burschenkonvent – eine Woche nach Gründung der Verbindung – wiederum aus, weil er als einstiger Cartellbruder möglicherweise Anlass für einen Konflikt mit dem CV hätte werden können.

Der allererste Kontakt bot sich dabei mit CbrCbr. e.v. „Rudolfina“, aber auch e.v. „Bajuvaria“ entsandte bald häufig Vertreter zu den Veranstaltungen Danubo-Rhenanias. Es sollte aber e.v. “Rudolfina“ sein, die schon das 1. Stiftungsfest Danubo-Rhenanias mit sechs Aktiven besuchte, und besonders deren damaliger Senior August Krnawek-Burger v. Pump stand der jungen Verbindung immer gern mit Rat und Tat zur Seite. Schon in dieser Zeit begann eine Freundschaft, die sich zwischen den beiden Verbindungen bis zum heutigen Tage halten sollte und im Jahre 1976 in einem Bändertausch der Verbindungen gipfelte. Verstärkte Kontakte gab es ebenfalls mit den Vertretern e.v. Bajuvaria.

Rasant nahm der CV einen immer größeren Platz im Verbindungsleben Danubo-Rhenanias ein. Wie Dr.cer. Ekkehard festhielt, waren beim Stiftungsfestkommers im Hotel de France am 13. Februar 1932 nicht weniger als 30 Vertreter e.v. Rudolfina anwesend, wozu noch die Verbindungen Amelungia, Bajuvaria und Leopoldina Innsbruck hinzukamen. Derartige Kontakte bedingen allerdings, wie wir Coleurstudenten das alle kennen, gegenseitige Besuche, weshalb sich schon in der ersten Hälfte der dreißiger Jahre die Aktivitäten Danubo-Rhenanias enorm steigerten und die Aktivitätsmöglichkeiten der jungen und noch kleinen Verbindung auf eine schwere Probe stellten. Gerade deswegen erscheinen die öffentlichen Auftritte in dieser Zeit besonders interessant.

Am Fronleichnamstag des Jahres 1932, dem 26. Mai, chargierte Danubo-Rhenania erstmalig gemeinsam mit dem CV in St. Stephan, gleichzeitig aber auch bei der Fronleichnamsfeier in der Pfarre Gersthof. Eine weitere Annäherung an den CV schien gegeben. Ein Jahr später, am 9. September 1933, war Danubo-Rhenania, neben der katholischen akademischen Landsmannschaft „Maximiliana“ bei der akademischen Morgenfeier des Allgemeinen Katholikentages in Wien die einzige katholische akademische Verbindung außerhalb des CV, die eine Einladung zu dieser Feierlichkeit erhalten hatte. Am 1. Februar 1935 fand die erste feierliche Couleurpromotion Danubo-Rhenanias an der Universität Wien statt, als Johann Josef Scherak v. Roland zum Doktor der gesamten Heilkunde promoviert wurde.13 Schon kurz danach war Danubo-Rhenania beim Dr. Karl Lueger-Gedächtniskommers (25. Todestag) des WCV, am 10. März 1935, als einzige nicht CV-Verbindung eingeladen.

Noch im gleichen Jahr konnte am 19. Mai im Rahmen eines feierlichen Hochamtes in der Pfarrkirche Gersthof die Verbindungsfahne Danubo-Rhenanias geweiht werden. Der „Festtag“ klang mit einem Festkommers im Deutschmeister-Schützensaal im 9. Bezirk aus, bei welchem Rudolfina, Nordgau u Bajuvaria mit Gastchargierten auftraten und auch entsprechende Couleurbedeckung anwesend war. Mit knapp 250 Personen war diese Veranstaltung sicherlich die am besten besuchte in der Zeit der 1. Republik. Ein bei der CVV in Wien gestelltes Aufnahmegesuch an den CV wurde aus formalen Gründen vertagt.

Schon sehr früh, nämlich im Jahre 1936, befasste sich Danubo-Rhenania mit Eventualitäten im Falle einer Machtverschiebung, verbunden mit Schwierigkeiten der Aufrechterhaltung eines Verbindungsbetriebes. Die Nationalsozialistische Partei, die in Deutschland bereits seit 1932 stimmenstärkste Partei war und 1933 mit Adolf Hitler an der Spitze die Regierung übernommen hatte, schwebte schon damals wie ein Damoklesschwert über den alten Werten und in den Köpfen der Bundesbrüder. „In eventu“ sollte, nach einem Beschluss des Burschenkonvents vom 30. November 1936, Dr. Zwerenz v. Ekkehard den „Kopf“ der Verbindung repräsentieren und gleichsam, wann und wo nur irgendwie möglich, einen Verbindungsbetrieb aufrecht zu erhalten. Nicht außer Acht lassen sollte man an dieser Stelle aber auch die Tatsache, dass es auch innerhalb der 1933 in Österreich gebildeten „Vaterländischen Front“ Kräfte gab, welche die farbentragenden Studentenverbindungen am liebsten in den Wehrverbänden aufgehen gesehen hätten.

Doch das Jahr 1937 sollte für die Verbindung noch einmal, zumindest war es so geplant, ein Jahr der Freude werden, deren Höhepunkt die Aufnahme in den CV hätte sein sollen. Der Antrag um Aufnahme in den CV wurde gestellt, und am 31. Mai 1937 lud Danubo-Rhenania die WCV-Senioren als Gäste in das St. Georgenbräu in der Wiener Innenstadt ein, wo eine instruktive Aussprache stattfand. Bei dieser Gelegenheit informierte Dr. Zwerenz die Vertreter von nicht weniger als sieben Verbindungen (Rudolfina, Franco-Bavaria, Kürnberg, Rugia, Pflug und Bajuvaria) über die bis dahin von Danubo-Rhenania gesetzten Aktivitäten. Diesem Referat schloss sich eine vom Senior Danubo-Rhenanias Bbr. Karl Pointner v. Winfried moderierte Wechselrede an. Die Bbr. kehrten von diesem Abend mit der innerlichen Überzeugung heim, dass die Aufnahme auf der CVV 1937 einfach durchgebracht werden könnte. Dennoch hätte man eigentlich nicht damit rechnen dürfen, da sich schon im Vorfeld abzeichnete, dass gemäß dem Beschluss der CVV in Graz 1936 die Einbeziehung weiterer Verbindungen in den Kreis des ÖCV nur in Form der Anerkennung als „CV befreundete Verbindung“ erfolgen könne. Aus diesem Grund empfahl der Vorort NdW in einem Rundschreiben, das Ansuchen Danubo-Rhenanias im Sinne des CVV-Beschlusses von 1936 zu behandeln, der WCV und SCV stimmten diesem Ansinnen zu.

Allein es sollte doch anders kommen. Aus welchen Gründen auch immer, hielten die positiven Äußerungen des Treffens bei etlichen Verbindungen nicht. Auf der CVV am 17. Juni 1937 wurde der Punkt über die Aufnahme Danubo- Rhenanias einfach von der Tagesordnung gestrichen und war damit kurzfristig „vom Tisch“. Tatsächlich war diese Vorgangsweise wahrscheinlich für unsere Verbindung noch als Glücksfall einzustufen, da somit die Wiederaufnahme auf der nächsten CVV möglich und die Aufnahme im eigentlichen Sinne nicht abgelehnt worden war. Tatsächlich spielten hauptsächlich Ängste um die Möglichkeit des Verlustes von Keilgebieten für den eigenen Nachwuchs die größte Rolle, wobei einzelne Verbindungen diese Tatsache recht gut verpackt darzustellen vermochten. Ein weiteres Argument war generell die Vergrößerung des Verbandes etc.

Die Enttäuschung innerhalb unserer Verbindung war naturgemäß sehr groß, doch zeigte sich die Verbindung schon zwei Tage später, quasi wie zum Trotz, mit starker Abordnung beim Coleurbummel an der Universität Wien. Wie seinerzeit von Dr.cer. Ekkehard in seiner Darstellung zur Verbindungsgeschichte soll auch hier, bevor die Ereignisse des erschütternden Jahres 1938 dargestellt werden müssen, auf die Situation einer „Bude“ oder eines sonstigen Verbindungslokals für Danubo-Rhenania eingegangen werden. Nachdem die ersten Verbindungssemester von Improvisationen und Provisorien gekennzeichnet waren und auch die Konvente in Gasthäusern abgehalten werden mussten, gelang es schon relativ früh, nämlich 1932 eine bescheidene kleine Bude im Gersthofer Pfarrheim in der Ladenburggasse zu bekommen, wo am 3. März desselben Jahres der erste Konvent abgehalten werden konnte. Die Örtlichkeit hielt, trotz der Einsicht, dass es keine ideale Lösung war, bis man sich im Laufe des Jänner 1938 entschloss, im Interesse der Verbindung, in Wien Hernals, Hauptstraße 52, eine Privatbude zu erwerben. Nach der Anmietung der Räumlichkeit sollten alle Bundesbrüder durch „Gemeinschaftsarbeit“ zur Adaptierung der Räumlichkeit als Bude beitragen. Die Arbeiten waren voll im Gange und standen sogar schon vor einem absehbaren Abschluss, als der 13. März den Zusammenbruch Österreichs und seines Staatsgefüges brachte.

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