Konsolidierung und rasanter Aufschwung 1955-1980

Die Zeit ab diesem Stiftungsfest wird in den bisherigen Darstellungen immer als diejenige der „Konsolidierung“ bezeichnet, wenngleich schon knapp nach dem imposanten Jubelstiftungsfest eine gewisser „Durchhänger“ zu verzeichnen war, was bei derartigen Höhepunkten aber meist unvermeidlich im Nachhang kommt. Schon bald darauf, im Jahre 1957, konnte das Martinschlössl mit letzter Geldanstrengung endgültig in den Besitz Rhaeto-Danubias übergehen, welches Ereignis am 26. November des betreffenden Jahres mit einem Festkommers gefeiert wurde. Seit der Mitte der fünfziger Jahre sind auch immer wieder Studenten aus dem deutschen CV zum Studium nach Wien gekommen und haben dabei den Weg zu Rhaeto-Danubia gefunden.

Schon im Jahr darauf begann mit dem Seniorat von Dr.cer. Barbarossa (Sommersemester 1958) eine Periode außerordentlicher Aktivität des Verbindungsbetriebes. Die Aktivitas umfasste damals 17 Burschen, wozu noch 10 Füchse hinzukamen. Gleich im April brachte ein AC mit dem Hochmeister des Deutschen Ritterordens Tumler nicht weniger als 50 Bundesbrüder ins Martinschlößl, wozu noch eine große Anzahl Gäste hinzukamen. Schon bald danach, am 25. Juni, nahmen nicht weniger als 25 Bundesbrüder am ersten Kommers im eigenen CV-Haus in der Lerchenfelderstraße teil. Im darauf folgenden Wintersemester, unter dem Seniorat von Bruno Kunz v. Kuno, fielen die Gedenkveranstaltungen im November mit der Krönung Papst Johannes XXIII. Zusammen. Danach stachen besonders der gelungene Weihnachtsfestkommers und die Tatsache, dass der personelle Aufwärtstrend weiter anhielt und Rhaeto-Danubia bereits etwa 100 Urmitglieder zählte, hervor.

Die sechziger Jahre werden von vielen Bundesbrüdern noch heute gerne als die „Goldenen Jahre“ der Verbindung bezeichnet. Immerhin wurden zwischen 1960 und 1970 66 Bundesbrüder rezipiert, was einen beträchtlichen Aufschwung für die Verbindung bedeutete. Von diesen 66 Bundesbrüdern stammte die Hälfte aus Wien, die übrigen stammten in der Mehrzahl aus Nieder- und Oberösterreich. An der Schwelle dieses neuen Jahrzehnts hielt die Vielfalt der Programmgestaltung weiter an, wobei sich Religion, Bildung, Lebensfreundschaft und Sport gleichsam die Waage hielten. Die 1961 eingeführten und in den folgenden Jahren jeweils im Herbst institutionalisierten Rhaeto-Danuben-Tage waren sicherlich eine der sinnvollsten Einrichtungen der damaligen Zeit und dienten zur Ausbildung aller Bundesbrüder. Bei der Themenauswahl versuchte man stets, aktuelle Fragen aus Gesellschaft, Politik, Verband oder Kirche behandeln zu können. Zusätzlich wurde festgelegt, dass pro Semester mindestens zwei wissenschaftliche Abende abzuhalten seien, für die man sich immer bemühte, prominente Vertreter zu Vorträgen und Diskussionen zu finden. So etwa wurde im Sommersemester 1962 unter dem Seniorat von Dkfm. Heinz Weber v. Nikita nach dem Osterfest der Mai von einem Kegelabend, gemeinsam mit e.v. Bajuvaria eingeleitet, gefolgt von zwei Allgemeinen Conventen, einem AHC und dem 32. Stiftungsfest zwischen 17. und 25. Mai. Diesem folgten am 29. Mai ein Budenabend mit dem Titel „Wir zeigen Lichtbilder und Fotografien von Verbindungsveranstaltungen“, eine Sportveranstaltung „Rudern auf der Alten Donau“, ein BC und ein weiterer AC mit dem Thema „Kirche und Staat“; darauf eine Brander und Damenkneipe und ein Couleurausflug am 17. Juni nach Wiener Neustadt (mit Festmesse und anschließendem Besuch der Theresianischen Militärakademie). Weiters gab es im Juni noch den CVV-Festkommers in der Wiener Hofburg, die CVV-Festmesse (alle als WCV – hochoffiziell eingestuft), die Schlusskneipe und den Schluss- und Wahl BC. In Summe ergab dies zwischen 5. Mai und 28. Juni die stattliche Anzahl von nicht weniger als 16 Veranstaltungen. Bei der erwähnten Brander- und Damenkneipe wurden nicht weniger als acht Füchse gebrandert. Insgesamt vereinigte die Veranstaltung 45 Bundesbrüder im Martinschlössl. 72 Bundesbrüder und zahlreiche Cartellbrüder besuchten den am 17. Dezember 1963 stattfindenden Weihnachtskommers.

Im gleichen Semester setzte der damalige Fuchsmajor Robert Lichal v. Gaius die Rhaeto-Danuben- Tage unter das Motto: „Mitarbeit in der österreichischen Hochschülerschaft“, was zur Folge hatte, dass sich plötzlich viele Bundesbrüder in der Hochschülerschaft zu engagieren begannen. Mit dem verstärkten Auftreten an den Universitäten wurde somit auch der ideelle Grundstein für ein weiteres großes Engagement in den siebziger und achtziger Jahren gelegt. Den Höhepunkt bildete dabei die Wahl von Bundesbruder Hieronymus zum Vorsitzenden des Zentralausschusses der Österreichischen Hochschülerschaft, den er bis 1969 innehatte. In ähnlich hoher Funktion sollten ihm in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre Ernst Wurz v. Stipendi als Vorsitzender des Hauptausschusses der Hochschülerschaft an der Universität Wien folgen, dazu die Bundesbrüder Josef Siffert v. Tschoo als Vorsitzender der Fakultätsvertretung der Grund- und Integrativwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien und Peter Jung v. Bsuff als Vorsitzender der Fakultätsvertretung Geisteswissenschaften, ebenfalls an der Universität Wien. Die beiden letzt genannten Bundesbrüder stießen, wie etliche andere damals auch, über die Mitarbeit bei der „ÖH“ zur Verbindung. Neben dem Engagement in der Hochschülerschaft konnten sich aber auch die gesellschaftlichen Veranstaltungen der Verbindung zu dieser Zeit sehen lassen, erwähnt sei an dieser Stelle etwa der „Rhaeto-Danuben-Cercle“ im Palais Auersperg sowie die „Rhaeto-Danuben-Schikurse“.

Der Stiftungsfestkommers 1965 fand im Repräsentationssaal des Österreichischen Ingenieur- und Architektenvereins in der Eschenbachgasse statt. Ein Semester später konnte Rhaeto-Danubia erstmals aktiv an der Gründung einer neuen Verbindung teilnehmen. 1966 beschloss die Cartellversammlung in Innsbruck die Gründung der „Austria-Danubia Linz“, zu deren 16 Gründungsburschen vier Rhaeto-Danuben zählten. Die neue Verbindung wurde schon ein Jahr später, im Rahmen der Cartellversammlung 1967 in Wien, neben Rupertina Salzburg als vollberechtigtes Mitglied in den ÖCV aufgenommen. 1965 bewarb sich Rhaeto-Danubia erstmals um den Vorsitz im Wiener Cartellverband und schaffte es schließlich, sich in der entscheidenden Wahl am 15. Juni 1966 gegen seine Mitbewerber durchzusetzen, womit erstmals in der Verbindungsgeschichte der Vorsitz im Wiener Stadtverband gestellt wurde, was in der damaligen Zeit angesichts der noch vorhandenen Konkurrenz im Gegensatz zu heute gar nicht so leicht war. Nach der formellen Übergabe des Vorsitzes durch e.v. Alpenland an Rhaeto- Danubia im Rahmen einer Festkneipe, nahmen folgende WCV-Chargen ihre Tätigkeit auf:

WCV-x jur. Sepp-Gottfried Bieler v. Hieronymus
WCV-xx1 ju. Winfried Appelt v. Rüdiger
WCV-xx2 AH Dr.Herbert Prayer v. Theoderich
WCV-xxx1 Ing. Otto Troger v. Vitruv
WCV-xxx2 AH Dr. Robert Lichal v. Gaius
WCV-xxxx1 phil. Gerhard Bonelli v. Pythagoras
WCV-xxxx2 AH Dr. Franz Winkler v. Cerberus
Org.Ref. Ing. Walter Wenzl v. Stanislaus (später ausgeschieden)

Nach Meinung unserer Chronisten war das gesellschaftliche Hauptereignis des Vorsitzendenjahres der „WCV-Ball“ am 10. Jänner 1967 in den Sälen der Wiener Hofburg, den der regierende Fürst von Liechtenstein eröffnete. Neben den Festen war es aber vor allem das gut organisierte Arbeitsprogramm, das diesen Vorsitz auszeichnete, wie etwa die von der Verbandsführung im März in Neusiedl organisierte Chargenschulung, an der 120 Cartellbrüder aus ganz Österreich teilnahmen. Im gleichen Jahr konnten beim Stiftungsfestkommers am 23. April, das im Festsaal des Ingenieur- und Architektenvereines stattfand, bedingt auch durch die große Popularität der WCV-Chargen, nicht weniger als 40 Gastchargierte begrüßt werden. Die Festrede hielt der WCV-Senior, Bundesbruder Hieronymus.

Wenige Wochen danach fand, aus Anlass des 65. Geburtstages unseres Gründers Dr.cer. Ekkehard, eine ihm gewidmete „Ekkehard- Kneipe“ statt, die zahlreiche Gratulanten vereinigte und in deren Rahmen Dr. Ekkehard das 75. Semesterband überreicht wurde. Am 17. Juni 1967 übergab Rhaeto-Danubia den Vorsitz des WCV an e.v. Austria Wien. Den beiden hauptbeteiligten Bundesbrüdern des abgelaufenen Jahres, Hieronymus und Rüdiger, wurde von Seiten der Verbindung der Dank durch Überreichung von „pro meritis“-Bändern bekundet. Bei der CVV 1970 in Klosterneuburg wurde der ehemalige WCV-x Bundesbruder Hieronymus aufgrund seiner langjährigen Erfahrung als Vorsitzender des Zentralausschusses zum Amtsträger für Hochschulfragen des Österreichischen Cartellverbandes gewählt. Die Liste ist an dieser Stelle sowohl für die sechziger als auch für die siebziger und achtziger Jahre unvollständig, wofür die Autoren um Entschuldigung ersuchen müssen, doch würde, ob des zeitweise überaus intensiven Engagements der Bundesbrüder in der Hochschülerschaft an den verschiedensten Universitäten und Hochschulen und in Referenten- und politischen Tätigkeiten, hier der Rahmen gesprengt werden.

Trotz dieser für die Verbindung sicherlich sehr erfreulichen Tendenzen ging das Ende der sechziger Jahre auch an unserer Corporation, wiederum in Form von gewissen „Durchhängern“ nicht ganz spurlos vorüber.Am 22. Februar 1973 erhielt die Verbindung eine neue Geschäftsordnung. Im Mai 1975 musste Rhaeto-Danubia ihren Gründer, Bundesbruder Ekkehard, dessen Antrieb über Jahrzehnte das Gedeihen der Korporation getragen hatte, begraben. Bundesbruder Ekkehard war nicht nur der Gründungssenior der Verbindung, er bekleidete danach noch weitere vier Mal das Amt des Seniors, war lange Jahre Philistersenior und wurde später zum Ehrenphilistersenior ernannt. Ein Jahr später sollte durch ein Großereignis das langjährige Vorwirken Dr. Ekkehards posthum eine sichtbare „Demonstration“ erfahren. Am 11. Juni 1976 tauschten im Rahmen des Stiftungsfestkommerses e.v. K.Ö.St.V. Rudolfina und Rhaeto-Danubia die Bänder und bekundeten auf diese Weise das enge Verhältnis, welches sich in den vergangenen Jahrzehnten in „guten wie in schlechten Zeiten“ entwickelt hatte. Für Rhaeto-Danubia war dieser Tausch der erste Korporationsbändertausch überhaupt, sicherlich einer der seelisch rührendsten in der Verbindungsgeschichte.

» 1980 - 2005

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